Unser schönstes Geschenk

(geschrieben und zur Verfügung gestellt von Frau Bold)


Eine Geschichte über den Kater Boris, der wieder nach Hause fand

Am 19. September kam unser Boris von seinem täglichen Ausflug nicht wieder zurück.
Da er in Abständen von maximal 30 Minuten immer nach Hause kam und ab dem Nachmittag im Haus blieb, wußten wir gleich, daß etwas nicht stimmte.
Bis in die späte Nacht habe ich am Bürofenster im Erdgeschoß gesessen und gewartet, gerufen und gepfiffen - nichts. Alle Nachbarn haben wir befragt, Zettel mit Foto in Briefkästen, an Bushaltestellen verteilt, jede Menge Anrufe getätigt, niemand hatte Boris gesehen.

Ich weiß jetzt auch, wie entsetzlich diese Zeit ist, jeder Schritt durchs Haus hat mir wehgetan - hier müßte er doch liegen, jetzt müßte er doch in Küche gerannt kommen ....



Bei unserer Suche sind wir auch auf die Seiten des Tierschutzvereins Horb gekommen. Blitzschnell war unsere Suchmeldung mit Bild auf den Internetseiten zu finden, leider auch das ohne Erfolg.
Aber hier waren nette Menschen, die uns verstanden haben, die uns eine große Hilfe waren.

Wir sind auf den Internetseiten auf die Geschichte von Apachi aufmerksam geworden; der kleine Kerl hat uns nicht mehr losgelassen, bei all der Trauer über unseren Boris hat uns Apachi sozusagen verfolgt.
Wir haben überlegt, daß Boris Verschwinden nicht ohne Sinn gewesen sein kann und am 13. Oktober durften wir dann Apachi wirklich zu uns nehmen.
Dieses liebenswerte Wesen hat uns im Sturm erobert und wir konnten wieder glücklich sein.

Apachi hat sich prima eingelebt und dann - eines Tages - kam mein Mann ins Büro und sagte zu mir: "Du, unsere Nachbarn haben da eine Katze gefunden, schau mal, ob Du die Tätowierung entziffern kannst".
Das arme Tier war in einem erbärmlichen Zustand, ich konnte die Tätowierung ebenfalls nicht lesen, weil es unmöglich war, die Katze stillzuhalten. Wir haben eine weitere Nachbarin herbeigerufen, deren Katze auch verschwunden war und beschlossen dann, schnellstens zum Notdienst zu fahren.

Die Ärztin dort konnte die Tätowierung dann erkennen.
Ich sagte zu ihr: "Das kann nicht stimmen, dann ist die Tätowierung zweimal vergeben, das ist die Tätowierung von unserem Boris."
In dem Moment sah ich zwischen ihren Händen den Wirbel im Rückenfell, dann die riesigen Augen. Ich habe die Hände vors Gesicht geschlagen, losgeheult und zu meinem Mann gesagt: "Das ist er, unser Boris."
Sein Leben stand auf der Kippe, er war entsetzlich abgemagert und hatte offensichtlich sieben Wochen (!) in einem Kohleschacht überlebt.

Wir nahmen ihn mit nach Hause und hielten Nachtwache.
Wir haben den Kohlestaub abgewaschen und Boris war langsam wieder zu erkennen. Hätte mir das jemand erzählt, ich hätte es nicht geglaubt! Ich kenne doch unseren Boris!
Und da schleppt er sich nach sieben Wochen mehr tot als lebendig nach Hause und wir beide erkennen ihn nicht!

Boris hat dann eine kurze Zeit in der Klinik am Tropf gehangen und nach vielem Bangen und Zittern, daß wir ihn vielleicht doch für immer verlieren, hat er es jetzt geschafft: Er hat prima zugenommen und seine nervösen Störungen haben sich gelegt.

Der Tierarzt hatte die Befürchtung, daß der neue Kater Apachi für Boris eine Belastung sein könnte.
Aber das ist das Schönste an der Geschichte: Apachi und Boris haben sich angefreundet, als "Doppelpack" toben sie durchs Haus, nichts ist sicher vor ihnen...
Mein Mann und ich haben beschlossen, daß wir das schönste Weihnachtsgeschenk schon haben, mehr war da nicht nötig!



Ja, gelesen habe ich in der Zeit viele Geschichten von Katzen, die wieder aufgetaucht sind.
Jetzt weiß ich, es gibt so Geschichten. Man soll eben die Hoffnung doch nie aufgeben.
Ich wünsche allen einen guten Start ins Neue Jahr und drücken denen, die ihre geliebten Samtpfötchen vermissen, ganz, ganz fest die Daumen!